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wissenswertes

Ein sehr interessanter Artikel von Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder
Wer eine Diät einhält, um abzunehmen, möchte am Ende nicht nur schlanker, sondern auch gesünder sein

Low-Carb-Diät erneut überlegen

Wer eine Diät einhält, um abzunehmen, möchte am Ende nicht nur schlanker, sondern auch gesünder sein. Während sich langsam herumspricht, dass man mit kohlenhydratreduzierten (low-carb) Diäten in der Regel besser abnimmt – mehr Kilos und vor allem mehr Fett – sorgen sich viele noch um die Herzgesundheit der erfolgreich Abgespeckten. Denn wer weniger Kohlenhydrate isst, verspeist dafür meist etwas mehr Fett und/oder Eiweiß. Daher untersuchte ein Forscherteam von der Tulane-Universität im amerikanischen New Orleans, ob sich eine kohlenhydratarme Diät im Vergleich mit dem Fettsparen ungünstiger auf die Risikofaktoren für  Herz und Gefäße auswirkt. Das Gegenteil war der Fall, wie das Team um Lydia Bazzano soeben im Fachblatt Annals of Internal Medicine (2014;161:309-318) berichtet.

Knapp 150 übergewichtige Männer und Frauen aßen ein Jahr lang entweder fettreduziert oder kohlenhydratreduziert. Beide Diäten wurden ad libitum durchgeführt, das heißt, es gab keine Kalorienvorgabe für die Teilnehmer, sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der jeweiligen Diät halten und ansonsten essen, bis sie satt waren. Die Aufteilung in die Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip und alle Teilnehmer erfuhren das gleiche Maß an Betreuung und Beratung. Damit gehört die Studie zu den qualitativ besseren.  Die Gruppe mit fettreduzierter Diät durfte maximal 30 % ihrer Kalorien aus Fett beziehen. Das entspricht den üblichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für alle Bürger dieses Landes. Die low-carb-Gruppe durfte maximal 40 g Kohlenhydrate täglich essen, was in etwa einem Sechstel ihrer gewohnten Kohlenhydratmenge entsprach.

Im Laufe des Experiments, das 80 % der Teilnehmer bis zum Ende durchhielten, reduzierten beide Gruppen ihre Kalorienzufuhr gleichermaßen. Die “automatische” Kalorienreduktion beobachtet man häufig, wenn den Probanden keine Kalorienvorgaben gemacht werden. Allein die bewusstere Lebensmittelauswahl und das Sich-mehr-mit-dem-Essen-beschäftigen scheint dafür zu sorgen, dass man weniger isst. Und jetzt wird´s richtig spannend: Trotz der vergleichbaren Kalorienzufuhr speckten die Magerköstler im Lauf des Jahres durchschnittlich 1,8 Kilo ab, die Low-Carber jedoch 5,3 Kilo – also etwa das Dreifache! Und das, obwohl sie statt der vorgegebenen 40 durchschnittlich 90 Gramm Kohlenhydrate täglich zu sich  nahmen (womit sie jedoch immer noch im low-carb-Bereich lagen).

Und damit nicht genug: Die Low-Carber hatten auch mehr Fettmasse verloren als  die Fettsparer und sie hatten das bessere Risikoprofil: Ihr Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin war niedriger, ihre Blutfette (Triglyzeride) waren deutlicher gesunken und ihr HDL-Cholesterin (das gefäßschützende) war deutlicher gestiegen.

Mein Senf dazu

Die besseren Stoffwechselwerte könnten natürlich daher kommen, dass die Teilnehmer, die kohlenhydratreduziert gegessen haben, mehr abgenommen hatten. Aus vielen anderen Studien wissen wir jedoch, dass low-carb-Diäten wie etwa LOGI  die Risikofaktoren auch dann bessern, wenn nicht abgenommen wird – ein weiterer und wie ich finde entscheidender Vorteil der Kohlenhydratreduktion.

Erfreulich finde ich, dass die Medien das Thema gleich aufgegriffen haben, wie z. B.Spiegel Online. Dass dabei unnötigerweise gleich wieder auf  bislang unbewiesene, angeblich schädliche Nebenwirkungen hingewiesen wird, schränkt meine Begeisterung natürlich deutlich ein. Wer eine ausgewogene Low-Carb-Ernährung pflegt, das heißt, eben nicht nur Steaks und Blattsalate isst, sondern eine Vielfalt an Gemüsen, dazu genug gesunde Fette und Öle und vollfette Milchprodukte, läuft eben nicht Gefahr, irgend etwas zu vermissen oder Mängel zu entwickeln, die am Ende gar aggressiv machen.

 

 

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